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Pier: Schlageter-Treffen erfolgreich verhindert! Drucken
Freitag, 6. Juni 2008
Wir möchten uns bei allen Antifaschistinnen und Antifaschisten bedanken, die sich am 31. Mai 2008 zahlreich an der erfolgreichen Verhinderung des mit Spitzenkadern der NPD und „freien
Kameradschaften“ geplanten so genannten „Schlageter-Treffens“ in Inden-Pier beim Dürener NPD-Kreisvorsitzenden Ingo Haller beteiligt haben.

Insbesondere die hervorragende Zusammenarbeit von Nazi-Gegnern unterschiedlicher politischer Strömungen war Grundlage für diesen Erfolg.Dank auch dem Kreis Düren, der als Mitglied im Dürener Bündnis gegen Rechts die Öffentlichkeit rechtzeitig über die Pläne der Neonazis in Kenntnis gesetzt hat und so eine wesentliche Grundlage für die erfolgreiche antifaschistische Gegenwehr schuf.

So hätte die Meldung des Tages, in Anbetracht des immer dreisteren Auftretens von Neonazis in unserer Region, eigentlich heißen müssen. Stattdessen konnte die NPD auf ihrer Homepage frohlocken: „Zweite Auflage mehr als gelungen“. Nach eigenen Angaben versammelten sich etwa 120 Neonazis in Pier, darunter auch bundesweit aktive Kader von NPD und „Kameradschaften“ wie Jürgen Rieger (Neonazi-Anwalt aus Hamburg, stellv. Bundesvorsitzender der NPD), Sven Skoda (Düsseldorf) und Ralph Tegethoff (Bad Honnef) und der erst kürzlich aus der Haft entlassene „Hitler von Köln“, Axel Reitz.

Eine Demonstration gegen das neonazistische „Schlageter-Treffen“ musste am vergangenen Samstag mangels Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausfallen. Denn nur zwanzig Menschen fanden sich in Pier ein, um gegen den braunen Spuk auf die Straße zu gehen. Dies ist ohne Zweifel ein herber Rückschlag für die langjährige und erfolgreiche Arbeit der Antifa Düren. Für die schwache Beteiligung gab es sicherlich vielfältige Gründe, viele Antifaschistinnen und Antifaschisten zogen es vor, an einer ebenfalls sehr wichtigen antirassistischen Demonstration anlässlich des 15. Jahrestages des „Mordanschlags von Solingen“ teilzunehmen. So kam es in Inden-Pier zu der mehr als unangenehmen Situation, als wir an einer Kontrollstelle von sechs Streifenbeamten in Pier festgehalten wurden. Plötzlich waren wir von etwa 50 Neonazis umringt, die dort ebenfalls gestoppt wurden. Dass es „nur“ bei Pöbeleien, fotografieren und der Notierung von Autokennzeichen blieb, war wohl mehr als Glück. Sicher: Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob Protest auf der Straße immer die richtige Reaktion auf Aktivitäten der Neonazis ist. Dennoch hätte ein wenig mehr Solidarität insbesondere auch aus dem Dürener Bündnis gegen Rechts heraus nicht geschadet. Zumal das Bündnis auch keine bessere Idee hatte, wie man auf das „Schlageter-Treffen“ reagieren solle und sich daher entschloss, diese Veranstaltung einfach „auszusitzen“.

Im Umfeld des Treffens ist es offenbar in der Nacht von Freitag auf Samstag zu neonazistischen Schmierereien in Pier gekommen. So wurden Bushaltestellen mit den Buchstaben „NS“ und „KAL“ (meint: „Kameradschaft Aachener-Land“), dreiarmigen Hakenkreuzen und der Parole „Nationaler Sozialismus“ beschmiert. Verkehrsschilder wurden ebenfalls mit den Buchstaben „NS“ beschmiert und ein Schild „Zone 30“ als „Zone 88“ umgesprüht. Der Zifferncode „88“ steht für „HH“ und meint im Klartext „Heil Hitler“. Diese Vorfälle belegen den Charakter der Veranstaltung, mit dem die Neonazis dem ehemaligen Freikorpskämpfer Albert Leo Schlageter und dem verstorbenen ehemaligen "Bundesführer" der verbotenen Wiking-Jugend, Wolfgang Nahrath, "gedachten". Wir bestreiten nach wie vor die Legalität solcher Treffen, die offenbar der Fortführung verbotener neonazistischer Organisationen dienen bzw. in der Tradition der NSDAP stehen. Dass diese Treffen auch mit Hilfe der Kreispolizeibehörde Düren stattfinden könnent, die per Auflage gegen die verhinderte Anti-Nazi-Demonstration verkündete, das "Schlageter-Treffen" sei eine eine zulässige Veranstaltung, deren Durchführung die Polizei zu gewährleisten hat", ist ein Skandal.

 

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Nazi-Schmierereien in Inden-Pier

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Nazi-Schmierereien in Inden-Pier
 

Was folgt nun aus der Erfahrung vom vergangenen Samstag? Wir müssen schleunigst Konzepte entwickeln, um die Handlungs- und Interventionsfähigkeit gegen rechte Aktivitäten in der Dürener Region zu verbessern. Hierzu sind alle Neonazi-Gegner gefordert. Denn es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, dass uns diese braunen Gelichter mit ihrer Anwesenheit „beglücken“.

„Unsere Niederlagen nämlich
Beweisen nichts, als daß wir zu
Wenige sind
Die gegen die Gemeinheit kämpfen
Und von den Zuschauern erwarten wir
Daß sie wenigstens beschämt sind!“

(Bertolt Brecht, „Gegen die Objektiven“)

Antifa Düren, 6. Juni 2008 

Siehe auch:

Polizeitaktik behindert Protest gegen Neonazi-Treffen