|
Wie grausam die rassistische Sondergesetzgebung für AusländerInnen ist,
zeigte das Beispiel des kleinen Mustafa. Der blinde Junge durfe
aufgrund der Residenzpflicht nicht an einem Klassenausflug teilnehmen.
Ein paar Antirassistinnen, nahmen dies zum Anlass, heute erneut vor der
Dürener Kreisausländerbehörde zu protestieren und gleiche Rechte für
alle hier lebenden Menschen zu fordern.
Für Empörung
sorgte in Düren der Fall des blinden Mustafa. Der blinde Junge durfte,
weil er nur "geduldeter Ausländer" ist, nicht an einem Klassenausflug
in das hohe Venn (Belgien) seiner Schule teilnehmen.
Einige
Sympathisanten der Antifa Düren nahmen dies zum Anlass, erneut gegen
rassistische Sondergesetze für die hier lebenden AusländerInnen zu
protestieren. Mit einem Transparent und Flugblättern wurde vor dem
Eingang des Kreishauses die Abschaffung aller Sondergesetze gefordert.
Der Ort für den Protest war richtig gewählt: schließlich befindet sich
in dem Gebäude die Kreisausländerbehörde. Aiuch von dort aus werden
regelmäßig Menschen abgeschoben, was nicht selten Folter oder gar den
Tod für die Betroffenen bedeutet. Zur Überraschung der Aktivisten kamen
zwei Mitarbeiter der Ausländerbehörde vor die Tür, um mit den
Aktivisten zu diskutieren. Welcher Geist dort herrscht, wurde schnell
deutlich. "Wir haben hier jede Menge Arbeitslose, deshalb kann
Deutschland kein Einwanderungsland sein" verkündete eine Beamtin. Bei
solchen "die Ausländer nehmen uns Deutschen die Arbeitsplätze weg" -
Denkmustern a la REPs, DVU und NPD, kann sich jeder ausmalen, was
betroffene AusländerInnen in der Behörde erwartet. Die Antifa Düren
wird auch in Zukunft sich mit kleinen und großen Aktion gegen diese
institutionalisierte Diskriminierung wehren.
Hier folgt der Text des Flugblatts, welches heute verteilt wurde:
“Fall Mustafa” nur ein weiteres Beispiel für staatlichen Rassismus!
“Blindes
Kind durfte nicht mit ins Venn“ war die Überschrift eines Artikels in
den Dürener Nachrichten vom 04.06.2002. In diesem Artikel wurde darüber
berichtet, dass der Junge Mustafa aus einer Gruppe von Kindern der
Blindenschule Düren nicht mit auf Klassenfahrt in das Venn durfte, da
er “geduldeter Ausländer” ist. Als “geduldeter Ausländer” unterliegt
Mustafa wie hunderttausend andere Menschen in der BRD Sondergesetzen,
die unter anderem eine Residenzpflicht beinhalten. Dies bedeutet, dass
sich der betroffene Personenkreis nur in einem eng begrenzten Gebiet
“frei” bewegen darf. Unter diesen Bedingungen sind oft nicht einmal
Besuche von Verwandten untereinander möglich. Mit wenigen Ausnahmen
wird die Residenzpflicht restriktiv angewandt. Die Ausländerbehörde des
Kreises Euskirchen, zuständig für den Wohnort von Mustafa, untersagte
die “Ausreise” in das Venn bei Mützenich, weil das Kind geduldeter
Ausländer ist. Begründung: Wer nur geduldet ist, darf das Land nicht
verlassen.
Restriktive Auslegung auch in Düren
Die
gleiche Ansicht vertrat bei einer Nachfrage der “Dürener Nachrichten”
auch das Ausländeramt der Stadt Düren. Beide hätten nach einem Erlass
des NRW Innenministers Behrens von 1996 allerdings auch zugunsten des
Kindes entscheiden können. Somit können die Zuständigen, die sich trotz
anderer Möglichkeiten für eine restriktive Auslegung der
Ausländergesetze entschieden haben, ihr rassistisches Verhalten noch
nicht einmal mit Gesetzestreue entschuldigen, wie dies so gerne von den
Schreibtischtätern getan wird.Wer sich dieser unmenschlichen
Einschränkung der Bewegungsfreiheit nicht unterwirft, macht sich
strafbar. Der- oder diejenige geht das Risiko ein, verurteilt und im
schlimmsten Fall sogar abgeschoben zu werden. Und zwar in das Land, aus
dem die betroffene Person vor Krieg, Folter, Verfolgung, Hunger oder
aus anderen Gründen geflohen ist. Mehrmals haben wir als Dürener
Antifaschisten mit Protestaktionen - unter anderem vor der
Ausländerbehörde des Kreises Düren - auf diese menschenunwürdige Praxis
hingewiesen. Wir nehmen den Fall Mustafa ein weiteres Mal zum Anlass,
und verurteilen den staatlich verordneten Rassismus in Form von
Sondergesetzen aufs Schärfste. Wir fordern alle Menschen auf, uns in
unseren Bestrebungen nach gleichen Rechten für alle hier lebenden
Menschen zu unterstützen.
Weg mit den rassistischen Sondergesetzen!
Gleiche Rechte für alle, die hier leben!
|