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Setzt Dürener Möbelhändler Neonazis als Geldeintreiber ein? Drucken
Dienstag, 1. Juni 2004
Am vergangenen Freitag (28. Mai 2004) wurden Dürener Antifaschisten Zeugen eines skandalösen Vorgangs. 

Gegen 18 Uhr sollten bei einer Immigranten-Familie am Friedrich-Ebert-Platz offenbar noch nicht abbezahlte Möbel durch die Firma Möbel-Halle Müller abgeholt werden. Neben zwei Streifenwagen waren allerdings auch ein halbes Dutzend stadtbekannter Neonazis vor Ort, die Mitglieder der „Kameradschaft Aachener-Land“ (KAL) sind oder zu deren engen Umfeld gehören. Diese waren augenscheinlich als Unterstützung für den 29jährigen Karsten Büttgen herbeigeeilt. Büttgen arbeitet als Lieferfahrer für die Möbel-Halle Müller und gehört nach Einschätzung antifaschistischer Gruppen zur Führungsriege der „Kameradschaft Aachener-Land“. Auf telefonische Nachfrage war von der Möbel-Halle Müller heute keine eindeutige Stellungnahme zu dem Vorfall zu erhalten. Zwar war der Senior-Chef des alteingesessenen Dürener Unternehmens mit Sitz an der Fritz-Erler-Straße am vergangenen Freitag selbst vor Ort, bestritt aber die anwesenden Neonazis überhaupt zur Kenntnis genommen zu haben. Daher ließ sich leider nicht abklären, ob das Auftauchen der Neonazis auf Veranlassung des Herrn Müller geschah, oder ob es sich um eine Eigeninitiative des Neonazis Karsten Büttgen handelte.

Dazu erklärt Martin Graubenden, Sprecher der Antifa Düren:

„Der Vorfall erinnert fatal an die Praxis aus der Weimarer Republik, als SA-Schlägertrupps losgeschickt wurden, um säumige Mieter aus ihren Wohnungen zu räumen. Es kann nicht akzeptiert werden, dass rassistische Skinheads Immigranten einschüchtern sollen. Wenn der Herr Müller einen bekennenden Neonazi einstellt, so ist das seine Sache. Eine solche Vorgehensweise, wo ein rechter Schlägertrupp im Interesse der Möbelfirma als Drohkulisse zur Geldeintreibung herangezogen wird, ist völlig inakzeptabel. Dabei ist es ganz unerheblich, wer die Neonazis hinzugezogen hat. Wir fordern eine Stellungnahme und vor allem eine deutliche Distanzierung von diesem unsäglichen Vorfall am vergangenen Freitag.“

Kritik am Polizeieinsatz

Kritik verdient auch der Polizeieinsatz. Anstatt gegen die Neonazis einzuschreiten, trat die Polizei gegenüber den später eingetroffenen Antifaschisten äußerst aggressiv auf. Der Versuch eines Neonazis, Fotos der Nazigegner anzufertigen, wurde in eine Provokation der Antifaschisten umgedeutet. Anstatt gegen die Neonazi vorzugehen, wurden den Nazi-Gegnern Platzverweise erteilt und die Ingewahrsamnahme angedroht.

Hierzu erklärt Martin Graubenden:

„Es ist hinreichend bekannt, dass Neonazis schwarze Listen ihrer politischen Gegner anfertigen, um diese tyrannisieren und angreifen zu können. Diese Praxis der „Anti-Antifa“ hat in der Vergangenheit schon bis hin zu Mordanschlägen geführt. Die Polizei hat sich durch ihr Verhalten am Freitag faktisch zu Erfüllungsgehilfen der Neonazis gemacht“.

Die Antifa Düren prüft derzeit, Beschwerde gegen die eingesetzten Polizeibeamten beim Landrat einzureichen.