" ... alle heimat und volkstreuen Deutschen"
Montag, 19. Januar 2009

Die „Schutzgemeinschaft 'Deutsche Heimat' der Deutschen aus Rußland e.V.“ ist Teil eines Netzwerkes neonazistischer „Spätaussiedler, deren Verbindungen bis in die CDU reichen.

 

Es war eine überschaubare Runde, die sich im Februar 2007 in der Wohnung des Ehepaars Thießen traf. Manche der elf Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten eine weite Anreise auf sich genommen, um die „Schutzgemeinschaft“ aus der Taufe zu heben. Einige der Gründungsmitglieder waren zuvor bereits in der „Bundesvereinigung 'Heimat' e.V.“ um Viktor Uhl, Herausgeber der gleichnamigen Zeitschrift „Heimat – Rodina“, aktiv. Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft“ ist seit der Gründung Johann Thießen, ein Elektroingenieur aus der Gemeinde Hürtgenwald (Kreis Düren). Der 52jährige trat in der Vergangenheit als Redner bei verschiedenen extrem rechten Veranstaltungen auf, etwa bei einer von der „Deutschen Akademie“ organisierten Tagung „nationalrevolutionär heute“ im April 2008. Wenig später sprach er beim Bamberger NPD-Bundesparteitag als Vertreter des „Nationalkonservativen Kreises der Russlanddeutschen“ ein Grußwort zu den Delegierten. Und auch im Umfeld der Dürener NPD ist Thießen aktiv. Zweck seiner „Schutzgemeinschaft“ ist laut Satzung, die „deutsche Kultur zu schützen und zu fördern“. Dies solle u.a. „in Form von öffentlichen Veranstaltungen, Informations- und Familientagen“ geschehen. Was der Verein damit meint, zeigte er im August diesen Jahres bei seinem ersten öffentlichen Auftritt. Vor dem Düsseldorfer Landtag versammelten sich etwa 80 Anhänger des Vereins zu einer geschichtsrevisionistischen Kundgebung unter dem Motto „Protest gegen die Fälschung der Geschichte der Russlanddeutschen“. Als Vorwand für die Kundgebung musste die Darstellung der Geschichte der deutschsprachigen Minderheit in der Sowjetunion in einem Schulbuch für die achte Klasse herhalten. Die „Schutzgemeinschaft“ bestreitet die Beteiligung dieser Gruppe an der Massenvernichtung der Juden in den von der Wehrmacht besetzen Gebieten. „Erst waren die Reichsdeutschen die Täter, jetzt auch die Rußlanddeutschen – und morgen?“ hieß es in dem Aufruf, der argumentativ an geschichtsrevisionistische Kampagnen der extremen Rechten, wie sie beispielsweise aus der Auseinandersetzung um die sogenannte „Wehrmachtsausstellung“ bekannt sind, anknüpfte. Obwohl auch die NPD die Veranstaltung bundesweit beworben hatte, fanden sich im Schatten des Fernsehturms nur wenige Funktionäre der Partei und Aktivisten „freier Kameradschaften“ ein. Zwar trat der NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer als Redner auf und die Partei stellte die technische Infrastruktur zur Verfügung. Unter den etwa 80 Anwesenden wurde jedoch überwiegend Russisch gesprochen – die meist älteren „Russlanddeutschen“ blieben weitgehend unter sich. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Strategie zur Erschließung dieser großen Gruppe als Aktivisten- und Wählerpotenzial innerhalb der NPD nach wie vor umstritten ist.

Die Liste der weiteren Redner offenbarte, wieweit rechte „russlanddeutsche“ Aktivisten im Umfeld der NPD bereits vernetzt sind. U .a. sprachen Anatoli Ganzhorn und Viktor Kaspar, beidesAnsprechpartner der „Freundeskreise“ der „Russlanddeutschen Konservativen“. Auch das Mainzer CDU-Mitglied Heinrich Daub, Redakteur der rechten Zeitschrift „Ost-West-Panorama“, trat ans Rednerpult. Daub unterhält gute Kontakte zu Thießen. Im August 2007 traten beide bei einer Versammlung in Düren auf. Eingeladen hatte die Dürenerin Dr. Tatjana Wiebe. Die Veranstaltung habe einen „konspirativen Charakter“ gehabt, berichtet ein Teilnehmer. Die etwa 30 Teilnehmer seien in dem Glauben gekommen, über die Gründung einer russisch- oder zweisprachigen Schule zu diskutieren. Tatsächlich sei von Daub und Thießen „mehr oder weniger offen für rechtsradikales Gedankengut“ geworben worden. Dennoch wurde Thießen zwei Tage später zum Stellvertreter von Frau Wiebe, der Vorsitzenden der neu gegründeten „Elterninitiative Düren e.V.“, gewählt. Thießen soll – nachdem seine Nähe zur NPD im August offenkundig wurde – der „Elterninitative“ mittlerweile nicht mehr angehören. Aus gut unterrichteten Kreisen hieß es, dass Harald Neugebauer, CDU-Mitglied und stellvertretender Landesvorsitzender des „Bundes der Vertrieben“ (BdV), Thießen für eine Mitarbeit in der „Elterninitiative“ empfohlen hat. Neugebauer war auch Autor in Daubs „Ost-West-Panorma, dass nach einem Bericht des WDR-Fernsehmagazins „Westpol“ unter Druck geraten ist.

Weniger Erfolg hatte Thießen bei dem Versuch, beim Dürener BdV Fuß zu fassen. 2006 trat er samt Anhängern in den Verein ein und wurde im Mai 2007 in den Beirat des Verbandes gewählt. Weil er auf einer Versammlung einige Exemplare der „Russlanddeutschen Konservativen“ verteilt hatte, wurde er wenige Wochen später auf Betreiben des BdV-Kreisvorsitzenden Manfred Bahrsuhn wieder ausgeschlossen. Laut Thießen, weil die Zeitschrift an die Öffentlichkeit gelangt sei und ein schlechtes Licht auf den BdV geworfen habe. Redakteur des Blättchens, dass überwiegend NPD-Stellungnahmen und Artikel etwa aus der „Nationalzeitung“ nachdruckt, ist Andrej Triller. Der Hattinger ist stellvertretender Vorsitzender in Thießens „Schutzgemeinschaft“ und führt den „Arbeitskreis der Russlanddeutschen in der NPD“ an.

Trotz des Rausschmisses beim BdV dürften Thießens Kontakte in das „Vertriebenen“-Spektrum weiterbestehen: Er soll Medienberichten zufolge der „Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“ weiterhin angehören und in Düren sogar im Vorstand des Verbandes sitzen. Uns so schließt sich der Kreis: Vorsitzender der Dürener Kreisgruppe ist David Wiebe, Ehemann der „Elternintiative“-Chefin.

(Aus "Der Rechte Rand", Ausgabe 115)

 

 
Weiter >

Antifa Düren zwitschert

Bei anderen gelesen

Klarmanns_Welt