Rheinau-Memprechtshofen: Ungestörtes Nazigedenken am Panzergraben
Jedes Jahr wieder lädt die NPD-Karlsruhe Land zum „Heldengedenken“ am „Ehrenmal Panzergraben“ bei Rheinau-Memprechtshofen ein. Auch dieses Jahr folgten rund 100 Nazis der Einladung und demaskierten sich selbst.
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Seit 1963 ruft die NPD (Karlsruhe Land) jährlich am Volkstrauertag zum „Heldengedenken“ am Rheinauer „Ehrenmal Panzergraben“ auf. Dort hatten im April 1945 27 Soldaten und Grenzschützer gegen jede Realität versucht, die französischen Befreiungsmächte aufzuhalten und den Krieg doch noch zu gewinnen. 49 französische Soldaten verloren durch diese sinnlose Aktion ihr Leben. Ein „Ehrenmal“ wurde neben dem Panzergraben errichtet, an der Stelle, wo die 27 Nazis begraben wurden - dadurch wird vor Ort nur diesen gedacht, eine Erinnerung an die 49 toten französischen Soldaten gibt es nicht.
2006 rückten antifaschistische Gruppen das braune Treiben erstmals in den Fokus der Öffentlichkeit. Unbekannte verpassten dem Nazi-Denkmal eine neue Farbe. Außerdem gründete sich das lokale örtliche Bündnis „bunt satt braun“ aus Ver.di, VVN und Einzelpersonen aus Rheinau. Damals marschierten die Nazis noch in geschlossener Blockformation vom „Ehrenmal“ zum Treffpunkt zurück. Es nahmen erstmals vor allem jüngere, aktionsorienterte Nazis aus der nördlichen Ortenau, Rastatt und Karlsruhe teil. Unter den 100 Anwesenden befanden sich außerdem Nazis der „Volksdeutschen Elsaß-Lothringen“. Im Umfeld fuhren die Nazis Patrouillie durch die angrenzenden Orte und griffen eine Gruppe Antifas im Bahnhof Achern an.
2007 wurde das „Ehrenmal Panzergraben“ in die Friedhofsverordnung aufgenommen, was es der Stadt ermöglichte, das Betreten für politische Zwecke zu untersagen. Durch die Größe der Grabstelle (ca. 4m x 7m) und die nur sehr niedrige Umrandung stellt diese Änderung keine wirkliche Qualitätsminderung für die Nazis dar. So trafen sich wieder um die 100 Nazis vor Ort. Allerdings wurde 2007 das erste Mal geschlossenes und uniformiertes Auftreten untersagt.
Dieses Jahr nun erwartete die Polizei geringeres Interesse „auf beiden Seiten“ und reduzierte ihr Aufgebot. Ca. 80 Nazis trafen sich gegen 11:30 am Parkplatz an der B 36, 500 m vom „Ehrenmal“ entfernt. Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits 4 Festnahmen gegeben: Nazis waren mit ihrem Auto vorgefahren und hatten unter den Augen der überraschten Polizei ein provisorisches Mahnmal des lokalen Anti-Nazi-Bündnisses zerstört. Unter den Festgenommenen befand sich auch Axel Borkmann, der NPD-Bundestags-Kandidat für den Wahlkreis Ortenau.
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Nachdem sich die Kameraden und Kameradinnen auf dem Parkplatz einer peniblen Leibesvisitation unterziehen lassen mussten, durften sie in Kleinstgruppen zum „Ehrenmal“. Ein geschlossenes Auftreten wurde durch die Polizei unterbunden. Dadurch, dass der Betreiber der Verstärkeranlage festgenommmen worden war, musste das Nazigedenken ohne diese stattfinden. Allerdings fanden sich auch dieses Jahr wieder um die 100 Nazis ein (Presse: 80, Polizei: 110).
Eine Gruppe von 25 Nazis aus dem Raum Rastatt/Karlsruhe wurde später auf dem Weg zu der antifaschistischen Bündnis-Kundgebung auf dem Freistetter Marktplatz festgesetzt und erhielt einen Platzverweis für Rheinau-Freistett. Unauffälligere Nazis im Look sogenannter „Autonomer NationalistInnen“ schlichen im direkten Umfeld der Veranstaltung herum, mehrere Autos mit eindeutigen TeilnehmerInnen der Nazi-Gedenk-Veranstaltung fuhren unbehelligt an der - zu diesem Zeitpunkt schwach besuchten - Kundgebung durch.
Die NPD wird es sich auch nächstes Jahr wieder nicht nehmen lassen wollen, am „Ehrenmal Panzergraben“ die Geschichte zu verdrehen. Allerdings stellt das aggressive Auftreten der Nazis dieses Jahr eine neue Qualität dar. Wir dürfen gespannt sein, wie die AnwohnerInnen auf die zunehmende Gefahr, die von den Nazis ausgeht, reagieren werden.
[1] Kranzniederlegung am „Ehrenmal Panzergraben“
[2] Nazis am Volkstrauertag 2008
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