Neuste News zur Nazidemo am 24.12
Die Nummer des Infotelefons lautet: 0160 98615397
Die Nummer des Ermittlungsausschuß ( EA ) lautet 0176 65411488
Also morgen alle zusammen Nazidemo verhindern
Gegen die alltägliche Kackscheisze
Neuste News zur Nazidemo am 24.12
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Also morgen alle zusammen Nazidemo verhindern
In letzter Zeit wurde viel von rechten Übergriffen in Aachen und Umgebung berichtet. Die Gewalt hält an, auch in den letzten drei Wochen gab es zahlreiche Übergriffe von rechts auf vermeintliche GegnerInnen. So wird von mind. zwei Attacken auf Linke in der Pontstraße berichtet, daneben von einem unvermittelten Angriff auf ‚alternativ’ aussehende Menschen in Mitten der Stadt durch vier Neonazis. Auch am Autonomen Zentrum Aachen tummelten sich erneut sechs Neonazis, wurden aber in ihrer verzweifelten Suche nach AntifaschistInnen nicht so recht fündig. Nach einer antifaschistischen Informationsveranstaltung in der Pontstraße griffen zudem ‚autonome’ NationalistInnen in der darauf folgenden Nacht einen jungen Mann körperlich an.
Unterdessen wurden – ebenfalls in der Aachener Innenstadt – Plakate gesichtet, die auf ProtagonistInnen der örtlichen NS-Szene aufmerksam machen.
In den letzten Tagen lasen wir immer wieder von gewaltsamen Angriffen durch Neonazis. Sei es in Stockholm, dort fanden im Vorfeld des Salemmarsches mehrere Mordversuche durch FaschistInnen statt, das Autonome Zentrum Cyclopen wurde niedergebrannt, eine Wohnung von SyndiaklistInnen ebenso. Oder sei es in Passau: Dort wurde der örtliche Polizeichef von Neonazis durch einen Angriff mit einem Messer schwer verletzt.
Die bundesdeutsche administrative Öffentlichkeit erkennt zumindest wieder punktuell die Gefahr, die von faschistischer Gewalt ausgeht oder lässt es zumindest verlautbaren. Nicht so in Aachen:
‚Aktive Ignoranz’ lautet das Stichwort unter dem das Aachener Bündnis gegen Rechts unter Federführung von Oberbürgermeister Jürgen Linden beschlossen hat, nicht aktiv gegen einen Neonaziaufmarsch in Aachen am 24.12.2008 zu werden.
Axel Reitz ruft unter dem Motto „Da habt ihr die Bescherung! Meinungs- und Demonstrationsfreiheit ist kein Geschenk, sondern unser Recht!“ zu einem Aufmarsch auf, in Reaktion auf die behördliche Verhinderung einer Nazidemonstration am 8. November, am Vortag der Pogromnacht. Dass sich Neonazis als VerteidigerInnen von Meinungsfreiheit und Demonstrationsfreiheit generieren, ist so absurd wie üblich. In jedem faschistischen Regime wurden diese erkämpften Rechte mit als erstes abgeschafft, ihre VerteidigerInnen ermordet. Die Eigenkonstruktion der extremen Rechten als Verteidigerin dieser Rechte reiht sich nahtlos in den Opferkult von rechts ein, Opfer zu sein ist in diesen Kreisen sehr beliebt.
Mit Verwunderung nehmen wir zur Kenntnis, dass von Kirchen, DGB und Parteien statt Engagement Schweigen, anstatt Intervention Ignoranz empfohlen wird.
„Stell´ dir vor, die Nazis sind in der Stadt - und keiner hält sich daran auf“ titeln die Aachener Nachrichten dieses Vorgehen und treffen damit den Nagel auf den Kopf. Fragen wir uns, was geschieht, wenn Nazis aufmarschieren, aktiv werden, in die Öffentlichkeit treten, faschistische Ideologie vertreten, Menschenverachtung und –vernichtung propagieren und kein Mensch sich daran aufhält. Kurt Tucholsky beschrieb dieses Beschweigen faschistischer Gefahr, die Weigerung aktiv zu werden 1931 in dem Gedicht „Rosen auf den Weg gestreut“. Treffend und zeitlos ironisiert Tucholsky: „Wenn sie in ihren Sälen hetzen, sagt: ‚Ja und Amen – aber gern! Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!’ Und prügeln sie, so lobt den Herrn“.
Wer aus der deutschen Geschichte gelernt hat, dass Ignoranz und Schweigen ein geeignetes Mittel gegen faschistische Organisierung ist, der hat die Geschichtsbücher nicht gelesen.
Man werde sich durch den Aufmarsch nicht provozieren lassen, so heißt es aus den Reihen des so genannten Bündnis gegen Rechts. Wer sich aber nicht von einem öffentlichen Auftreten von notorischen HolocaustleugnerInnen, von ProtagonistInnen der extremen Rechten provozieren lässt, verkennt die Gefahr oder nimmt sie schlicht in Kauf. Eine Sprecherin des Ak Antifa Aachen dazu: „Ignoranz ist schlimm genug, das Propagieren der Ignoranz ebnet FaschistInnen aktiv den Weg. Wir werden uns an diesem Tag den FaschistInnen in den Weg stellen. Wir rufen dazu auf, am 24.12.2008 um 9h am Aachener Hauptbahnhof zu sein und dort zu bleiben, bis die Anreise der Nazis dadurch verhindert worden ist“. Das Antifaschistische Aktionsbündnis Aachen hat unterdessen eine Kundgebung am Bahnhofsvorplatz angemeldet, die – wie schon am 8.11.2008 – in die Hackländerstraße verlegt wurde.
Wir rufen dazu auf, am 24.12.2008 um 9h am Aachener Hauptbahnhof zu
sein und dort zu bleiben, bis den Nazis dadurch die Anreise
verunmöglicht worden ist.
Im Vorfeld des diesjährigen Naziaufmarsches in Salem bei Stockholm
häufen sich Mordversuche von Neonazis gegen AntifaschistInnen. Am 29.
November brannte das Autonome Zentrum „Cyclopen“ in Stockholm völlig
aus. Das Feuer sollte anscheinend genau zu dem Zeitpunkt ausbrechen,
an dem dort eine Veranstaltung der Gruppe „Netzwerk gegen Rassismus“
stattfinden sollte. Diese wurde durch einen glücklichen Zufall ein
paar Tage vorher abgesagt, jedoch immer noch im Internet beworben. So
wird die Brandstiftung inzwischen als „Brandstiftung mit
Tötungsabsicht“ gewertet. Die BetreiberInnen des Cyclopen haben keine
Zweifel daran, dass Neonazis das Feuer legten. So wurde das Zentrum
immer wieder im Vorfeld der Salem-Märsche bedroht. Richtig erkannt
haben die FaschistInnen, dass linke Freiräume, Autonome Zentren ein
zuverlässiger Garant für funktionierende antifaschistische Arbeit
sind.
Am 1. November brach in der Wohnung von zwei SyndikalistInnen, die
dort mit ihrem dreijährigen Kind wohnten, Feuer aus. „Ich sah, wie
jemand eine klare Flüssigkeit durch den Briefschlitz in unsere
Wohnung goss. Am Geruch erkannte ich, dass es Benzin war. Ich schrie
so laut ich konnte: ‘Wir haben ein Kind hier drinnen!’ Es war
unmöglich, dass sie das nicht hörten. Eine Sekunde später zündeten
sie das Benzin an“, so die betroffene Gewerkschafterin.
Alle drei überlebten, das Kind konnte über einen Balkon NachbarInnen
gereicht werden, die beiden GewerkschafterInnen kletterten aus dem
dritten Stock des Hauses. Die Polizei geht indes von einem politisch
motivierten Anschlag aus, zudem wird vermutet, dass dieser
Mordversuch die gleichen Urheber hat, wie der Brandanschlag auf das
Kulturzentrum Cyklopen.
Ein halbes Jahr zuvor fanden besagte GewerkschafterInnen, wie viele
andere, ihre Namen und Bilder auf einer von Neonazis angelegten
„Schwarzen Liste“. Diese wurde von der NS-Gruppe angefertigt, die den
Salemmarsch organisiert.
„Heldengedenken“ in Salem und deutsche Reaktionen
In Salem findet jährlich der größte Naziaufmarsch Nordeuropas statt,
seitdem dort im Jahr 2000 ein junger Neonazi in einer
Auseinandersetzung mit MigrantInnen starb. Umgehend wurde der junge
Neonazi zum Märtyrer stilisiert, sein Tod bestärkte die schwedische
NS-Szene in ihrem Opferkult. Durch dieses ritualisierte Gedenken soll
ein gemeinsames Selbstbild geschaffen werden, als Kämpfer, als
standhaft, opferbereit und unbeugbar. Der Opferkult der extremen
Rechten rechtfertigt als fundamentaler Bestandteil einer jeden
faschistischen Ideologie den Kampf gegen GegnerInnen oder
vermeintliche GegnerInnen, rechtfertigt jedes Mittel in diesem Kampf,
bis hin zu Mord und Vernichtung.
Wohin dieses Zusammenspiel aus Opferkult, Märtyrertum und
Heldenmythos führt, zeigen uns die Geschehnisse in Stockholm dieser
Tage. Politischer Mord gehört seit jeher zum Repertoire
faschistischer Ideologie, ebenso wie zynischer Vernichtungswahn. So
feierten deutsche Neonazis die Anschläge in Schweden, bedauerten
allerdings, dass dabei keine Menschen zu Tode kamen. „Keine
geschmolzenen Zecken? Schade!“ ist nur einer der menschenverachtenden
Kommentare nachahmungsfreudiger deutscher Nazis: „Advent, Advent, ein
linkes Zentrum brennt. Erst eins, dann zwei,…“. Politischer Mord wird
eindeutig befürwortet: „Nicht schießen, lasst sie verbrennen!“, so
ein User eines Naziforums. Ganz besonders wird sich über die
Vernichtung der Infrastruktur gefreut. Dass im Cyclopen Archive,
Bibliotheken und Equipment von Bands dem Brand zum Opfer fielen, wird
kommentiert mit „Das fetzt!
“ und „Einfach nur Geil …..;-))))“, mit
„Burn Motherfucker… BURN!“.
Märtyrerkult in Stolberg
Auch in Stolberg bei Aachen versuchen extrem Rechte aus einem
Todesfall ein Politikum zu machen. Sie stilisieren einen getöteten
jungen Mann zu ihrem Helden, marschierten dieses Jahr diesbezüglich
gleich zweimal auf und kündigten bis 2018 jährliche Demonstrationen
an. Auch im April 2009 wird Stolberg wieder zum Wallfahrtsort für
Neonazis – wenn sich kein breiter Widerstand regt.
Die Strategie Aachener Nazis, den proklamierten „Kampf um die Straße“
zu forcieren, ist wohl am ehesten als logische Konsequenz des neu
gewonnenen Wir-Gefühls deutbar. Seit den Ereignissen in Stolberg ist
ein verstärktes Bemühen der Aachener Neonazi-Szene zu beobachten, in
die Öffentlichkeit zu treten, die Straßen als ihre zu proklamieren
und gewalttätig gegen ihre GegnerInnen vorzugehen. Erst vor einigen
Tagen stellte die Kameradschaft Aachener Land Formulare online, auf
denen AntifaschistInnen mit Namen und Fotos zu melden sind. Zudem
werden hochauflösende Fotos von antifaschistischen Demonstrationen
ins Internet gestellt. Jeder Selbstschutz vor der Erfassung auf
„Schwarzen Listen“ wird von der deutschen Justiz als „Vermummung“
strafrechtlich verfolgt.
Faschismus bleibt tödlich
Dass aber „Schwarze Listen“ kein Kinderspiel sind, dass eine
Auseinandersetzung mit Neofaschismus tödliche Folgen haben kann, dass
Menschen, die sich gegen reaktionäre, faschistische Tendenzen zur
Wehr setzen, sich einer massiven Gefährdung aussetzen, ist
schmerzlich in Schweden deutlich geworden.
Eine Sprecherin des AK Antifa Aachen kommentiert „Wir werden uns
nicht von der Gewalt der FaschistInnen, von ihren Drohungen
einschüchtern lassen. Wir senden unsere solidarischen Grüße nach
Stockholm und werden, wie die antifaschistischen AktivistInnen dort,
auch hier nicht zulassen, dass sich faschistische Strukturen
etablieren. Wir werden dem Märtyrerkult in Stolberg entschlossen
entgegentreten“.
Unzweifelhaft bleibt, dass dieses Phänomen der Bereitschaft zum Mord,
keines ist, das sich nur virtuell ausdrückt. So wurde erst letzte
Wochen in Göttingen ein ganzes Waffenarsenal bei Neonazis
sichergestellt. Eine Maschinenpistole, ein Repetiergewehr mit
Zielfernrohr und Schalldämpfer, eine doppelläufige Schrotflinte,
passende Munition, sowie mehrere Messer und Bajonette – so lauten die
Ergebnisse der dortigen Hausdurchsuchung.
Und Aachen?
Das Bemühen um Schwarze Listen und das verstärkte Auftreten von
Neonazis in der Aachener Innenstadt wird flankiert von den Versuchen,
Aufmärsche in der Aachener Innenstadt durchzuführen. Am Vorabend der
Gedenken an die Novemberpogrome gelang es Neonazis lediglich, ein
Standkundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz abzuhalten. Für den 24. 12.
wird erneut der Aufmarsch probiert. So meldeten Nazis unter dem Motto
„Da habt ihr die Bescherung“ erneut eine Demonstration an.
Wir rufen dazu auf, am 24.12.2008 um 9h am Aachener Hauptbahnhof zu
sein und dort zu bleiben, bis den Nazis dadurch die Anreise
verunmöglicht worden ist.
Ausführliche Infos zur Lage, Berichte von Solidemos und wie es weiter geht auf de.indymedia.org
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Wann? Montag, 8. Dezember, 16:00 Uhr
Wo? Bahnhofsvorplatz, Köln
Am Samstagabend wurde in Athen ein 15jähriger Anarchist bei einer Auseinandersetzung mit der Staatsmacht von einem Polizisten erschossen. Seitdem gibt es in ganz Griechenland heftige Proteste, sodass der Innenminister schon seinen Rücktritt angeboten hat, der aber vom Regierungschef abgelehnt wurde. Mehrere Universitäten sind besetzt und auf den Straßen mehrerer Städte gibt es Demos und direkte Aktionen. Näheres ist über die Medien zu erfahren, auch bei de.indymedia.org.
Wir wollen von Köln aus die Proteste in Griechenland unterstützen und unsere Solidarität mit dem getöteten Genossen ausdrücken, der im Kampf gegen die tägliche staatliche Gewaltherrschaft starb.
Treffpunkt hier in Köln ist am Montag, 8.12., ab 16 Uhr die Kundgebung des “Bündnisses für eine Gesellschaft ohne Knäste” auf dem Bahnhofsvorplatz (Hbf.), die wegen der hungerstreikenden Gefangenen in den griechischen und italienischen Knästen sowieso stattfindet. Die Demo geht dann !pünktlich! um 17.30 Uhr von dort los.
Bisher zur Demo aufrufende Gruppen:
* SSK-Salierring
* SSK-Ehrenfeld
* Bündnis für eine Gesellschaft ohne Knäste
* Autonomes Knastprojekt
* Antifa-AK
Am Donnerstag findet im Welthausdie Veranstaltung “Anarchists against the Wall” mit anarchistischen AktivistInnen aus Israel statt.
Einlass ist 19:30Uhr.
Im Anschluss findet das Antifa-Café wie gewohnt im AZ statt.
Auch zu finden unter “Termine” auf einem grandiosen Flyer
Eine Informationsveranstaltung über „Autonome Nationalisten“ und den neuen rechten Lifestyle.
Am 05.12.2008. Beginn: 18:00 Uhr. Aachen: Pontstraße 156, Labyrinth. Eintritt frei.
Aachen. Seit einigen Monaten tauchen in der Region Aachen-Düren, im Erftkreis sowie in Köln und Leverkusen Schmierereien, Aufkleber und Flugblätter der so genannten „Autonomen Nationalisten“ auf. Auch in den Medien ist vermehrt von extremen rechten Straftaten und gewalttätigen Übergriffen die Rede. Für die Öffentlichkeit wurde die Präsenz „Autonomer Nationalisten“ in der Region Aachen insbesondere während der diesjährigen Aufmärsche im rheinischen Stolberg offensichtlich, wo die extreme Rechte den Tod eines erstochenen Jugendlichen für ihre Propagandazwecke zu vereinnahmen suchte. Hier marschierte am 12.04.2008 mit fast 800 teilnehmenden Neonazis aus ganz Deutschland der bislang größte so genannte „NS Black Block“ auf. Infolge des Mobilisierungserfolges in Stolberg steigerten sich Selbstbewusstsein und Gewaltpotential der örtlichen neofaschistischen Szene. In der Region und in der Stadt Aachen kommt es mittlerweile fast wöchentlich zu gewaltsamen – teils bewaffneten – Übergriffen auf alternativ aussehende Jugendliche.
Die VeranstalterInnen haben es sich in Folge der zunehmenden Naziaktivitäten zur Aufgabe gemacht aufzuklären: Wer oder was sind die so genannten „Autonomen Nationalisten“? Was ist die „Aktionsgruppe Rheinland“? Ziehen die „neuen Nazis“ sich nur anders an, oder hat sich tatsächlich etwas geändert? Woran können sie erkannt werden? Wie organisieren sie sich?
Gerade vor dem Hintergrund der Relevanz, welche die „Autonomen Nationalisten“ in der Region Aachen einnehmen, soll in dieser Veranstaltung der Frage nachgegangen werden, was die „Neonazis im neuen Gewand“ auszeichnet.
Die Veranstaltung in der Pontstraße ist eine Fortsetzung der in diesem Jahr in NRW erfolgreich durchgeführten Kampagne „Faschismus ist nicht trendy!“. In Aachen soll hierbei der Schwerpunkt auf die regionale Szene gelegt werden – eine der aktionistischsten in NRW.
Wir laden herzlich ein zahlreich an der Veranstaltung teilzunehmen!
Kampagne „No Nazis in Aachen“
Nachdem in Aachen jahrelang Nazis nicht öffentlich auftraten, versuchen nun wieder junge extreme Rechte in der Innenstadt Fuß zu fassen. Sie bekommen hierbei Unterstützung von Außerhalb: Reitz und Worch nehmen sich der lokalen Nazi-Szene an, die – neben öffentlichen Saufgelagen und gewalttätigen Übergriffen – nicht viel geregelt bekommt.
In der Region Aachen gibt es einer der aktivsten neonazistischen Szenen in NRW. Gerade um die Stadt Aachen herum gibt es einen „braunen Gürtel“, der auf eine lange Tradition verweisen kann. In diesem Jahr nahmen jedoch die Bemühungen zu, auch in Aachen Innenstadt Präsenz zu zeigen. Es entsteht der Eindruck, dass die Neonazis versuchen, die Region Aachen zu einem Schwerpunkt ihrer Aktivitäten im Rheinland zu machen. So marschierte zunächst im Februar diesen Jahres die NPD in Düren auf, im März wurde von ca. 40 Nazis versucht, eine antifaschistische Demonstration in der Aachener Innenstadt anzugreifen.
Im April wurde in Stolberg ein junger Mann erstochen von dem sich die extreme Rechte so sehr wünschte, er sei einer der ihren gewesen, dass sie infolge dessen in diesem Monat gleich zu drei Aufmärschen in Stolberg auflief.
Seither haben der Märtyrer-Fan Christian Worch sowie der bekennende Antisemit Axel Reitz und die bundesdeutsche NPD-Elite Blut geleckt: Die Existenz der Region Aachen-Düren scheint bei den rechten Kadern nicht nur angekommen sondern überdies auf Interesse gestoßen zu sein. Die Märtyrer-Geschichte um die Vorfälle in Stolberg birgt, wie sich nicht zuletzt an den andauernden Beiträgen auf dem wohl bekanntesten bundesdeutschen Neonaziforum zeigt, ein Potential für die extreme Rechte, welches sich die Kader nur ungern entgehen lassen wollen. So war der Aufmarsch am 12.04.2008 in Stolberg mit fast 800 „Autonomen Nationalisten“ wohl der bis dahin größte so genannten „NS Black Block“ überhaupt. Die NPD meldete vorsorglich schon mal bis ins Jahr 2018 für den 4. April weitere Demonstrationen in Stolberg an.
Durch diesen Mobilisierungserfolg gepusht, verstärkten sich auch die Aktivitäten lokaler Nazis in Aachen Stadt, welche sich neben der NPD überwiegend in der „AG Rheinland“ und in der „Kameradschaft Aachener Land“ organisieren.
Der Aktionismus der noch jungen Aachener Neonaziszene dürfte wohl dazu beigetragen haben, dass Axel Reitz sich in diesem Jahr Aachen aussuchte, um seine Demonstration „Gegen einseitige Vergangenheitsbewältigung. Gedenkt der deutschen Opfer“ zum Jahrestag der Reichspogromnacht durchzuführen. Und auch dieser Termin spornte die lokalen Kräfte an. So gab es allein in den letzten zwei Tagen vor dem Aufmarsch fünf Übergriffe auf (vermeintliche) politische Gegner_innen:
Donnerstag 06.11.2008: Am Aachener Hauptbahnhof greifen drei Neonazis unvermittelt eine Jugendliche an, verfolgen im Anschluss daran zwei Konzertbesucher des Autonomen Zentrums bis sie feststellen müssen, dass es keine gute Idee ist, direkt vors AZ zu laufen. Sie ergreifen die Flucht.
Freitag 07.11.2008: Drei Schüler_innen werden beim Verteilen von Flugblättern gegen den geplanten Naziaufmarsch um ca. 17 Uhr am Kugelbrunnen – Mitten in der Aachener Einkaufszone – von sechs „Autonomen Nationalisten“ angegriffen. Passanten greifen ein und wehren den Naziangriff gemeinsam ab. Abends feiern in der Pontstraße, der Aachener Kneipenmeile, an die 40 Nazis. Zwischen 23-24 Uhr kommt es dann zu einem Angriffsversuch durch 30 Neofaschist_innen auf fünf Antifaschist_innen in der Nähe des Hauptbahnhofes. Flaschen werden gegen einen Imbiss geworfen, in dem sich Antifaschist_innen aufhalten. Diese können jedoch entkommen. In derselben Nacht lauern gegen vier Uhr etwa zehn, mit Holzlatten und Flaschen bewaffnete „Autonome Nationalisten“ den letzten Konzertbesucher_innen auf. Es gibt eine kurze Auseinandersetzung, die Neonazis ergreifen die Flucht.
Am Samstag, den 08.11.2008, dürfen 108 Neonazis am Vortag des 70sten Jahrestages der Reichspogromnacht eine von Axel Reitz angemeldete Kundgebung am Aachener Hauptbahnhof abhalten. Der Gedenktag zum ‚Auftakt’ der Verfolgung und Vernichtung des europäischen Judentums sollte umgedeutet werden „zum Schicksalstag der Deutschen“. Anwesend ist als Versammlungsleiter Christian Worch, außerdem der Vorsitzenden der NPD Düren Ingo Haller. Zudem der Anführer der Kameradschaft Aachener Land (KAL) und NPDler Rene Laube, der Düsseldorfer Sven Skoda, Claus Cremer für die nordrheinwestfälische NPD und der gerade erst aus der Haft entlassene Paul Breuer. Von den lokalen Neonazis sind erschienen: Frank Streithoff, Jugendbeauftragter der NPD Düren und Mitglied der KAL, Peter Salber, Mitglied der NPD und KAL. Andere lokale Faschos schaffen es erst gar nicht, sich bis zum Bahnhof ‚durchzuschlagen’. Die Polizei verwehrt denen, die es bis zum Bahnhof geschafft haben, zwar den Aufmarsch durch die Stadt, schützt aber ihre Kundgebung am Bahnhof. Für die lächerliche Teilnehmer_innenzahl und das lange Rumstehen entschädigen sich ca. 70 Neonazis, indem sie eine Spontandemonstration durch Düren machen, bei der sie sich nebenbei und trotz einer völlig überraschten Polizei (diese musste ja noch in Aachen Antifaschist_innen schikanieren) 37 Anzeigen wegen Volksverhetzung einfangen.
Eine Woche später am Freitag den 14.11.2008 treffen gegen 23Uhr drei Jugendliche in der Stadt auf eine Gruppe von sieben Neonazis (KAL und „ANs“). Drei Nazis lösen sich aus der Gruppe und laufen den Jugendlichen hinterher, bewerfen diese dann aus einem Abstand von fünf Metern unvermittelt mit vollen Bierflaschen. Es handelte sich jedoch um extrem miese Werfer. Nachdem ihre Munition daneben ging, ergreifen auch sie die Flucht.
Der Aktionismus und das öffentliche Auftreten der Nazis führen dazu, dass sich zunehmend Widerstand bei den Aachener_innen regt. Gerade das Problem feiernder Nazis in der Pontstraße scheint auch bei den Bürger_innen angekommen zu sein. So hat sich ein Bündnis „Pontstraße gegen Rechts“ gegründet, welches den Kabarettisten Serdar Somuncu einlud. Am 05.12 findet im Labyrinth, einer Kneipe, die ebenfalls auf der Pontstraße liegt, eine Veranstaltung zu „Autonomen Nationalisten“ statt – die an die Kampagne „Faschismus ist nicht trendy!“ anknüpft.
Vielleicht ist Reitz und Worch bewusst, dass die Aachener Nazis weder inhaltlich eigene Akzente setzen können, noch sonst irgendwie besonders viel auf dem Kasten hätten. Vielleicht haben sie Mitleid. Jedenfalls haben sie sich vorgenommen, nach Aachen zurückzukehren. Reitz meldete für den 24.12.2008 erneut einen Aufmarsch in Aachen an. Beginn soll zehn Uhr am Hauptbahnhof sein – den kennt Axel schließlich schon. Motto ist diesmal: „Da habt ihr die Bescherung! Meinungs- und Demonstrationsfreiheit ist kein Geschenk, sondern unser Recht!“. Wir werden mal schauen, welches passende Geschenk wir für ‚unsere’ Nazis finden.
Referer der letzten 24 Stunden:
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