| NPD Düren kündigt Hass-Kampagne in Nord-Düren an |
| Donnerstag, 29. Januar 2009 | |
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Im Mai 2008 wurde im Dürener Norden flächendeckend eine
Sonderseite der Stadtteilzeitung Nord-Düren mit dem Titel „Für die Zukunft
unserer Kinder“ zum Thema Drogen verteilt. Die Antifa Düren hatte die Art und
Weise, wie das Thema in der Stadtteilzeitung aufgegriffen wurde, als völlig
unangebracht kritisiert.
Der von vielen Migranten bewohnte Stadtteil wurde als „Drogenviertel“ stigmatisiert und unter Generalverdacht gestellt. „Wer so unbedarft formuliert, öffnet rassistischen Ressentiments (viele Migranten = Drogenproblem) Tür und Tor“, warnte die Gruppe damals. Mit Verspätung hat nun auch der Kreisvorsitzende der NPD Düren Ingo Haller den Stadtteil Düren Nord für sich und seine Hetze entdeckt. Auf der Website der Partei kündigte Haller Flugblattverteilungen und weitere Aktionen im Stadtteil an. Der Neonazi greift den Tenor der Stadtteilzeitung auf und spitzt diesen zu. Das Ziel: Von gesellschaftlichen Problemen im Stadtteil abzulenken und Migranten zu Sündenböcken zu machen, um damit gleichzeitig rassistische Stimmungen zu schüren. In dem Online-Pamphlet mit dem Titel „Nord Düren und die angebliche gute Integration“ werden die BewohnerInnen mit Migrationshintergrund in Nord-Düren in pauschal als Erpresser, Schläger und Drogendealer verunglimpft. Wir kennen den Dürener Norden gut und haben viele freundschaftliche Verbindungen, sowohl zu Einwohnern mit Migrationshintergrund als auch zu Menschen mit deutschem Pass, in diesem Stadtteil. Das von Haller konstruierte Zerrbild des Stadtteils entspricht nicht der Realität, sondern entspringt der menschenfeindlichen Ideologie der NPD. Ohne Zweifel gibt es soziale Probleme im Dürener Norden. Und ohne Zweifel ist Drogenkonsum - darunter verstehen wir auch den Gebrauch der legalen Drogen Alkohol und Nikotin – bzw. Drogenhandel eine wichtige gesellschaftliche Herausforderung. Wir wissen, dass das Drogenproblem auch vor Mitgliedern der NPD und der mit ihr eng zusammenarbeitenden Neonazi-Bande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) nicht halt macht. Vielleicht sollte Ingo Haller erst einmal dort anfangen, sich um das Problem zu kümmern. Aber seiner Hetzschrift ist klar zu entnehmen, dass es ihm und seinen „Kameraden“ gar nicht um die Lösung von Problemen geht, sondern darum, die latent vorhandene Fremdenfeindlichkeit weiter zu schüren. Die NPD hofft, bei den anstehenden Kommunalwahlen mit diesem Thema zu punkten. Wer so handelt, will in keinem Fall das friedliche Miteinander von Menschen zu fördern. Das Gegenteil ist der Fall! Auch ist Ingo Haller ein denkbar schlechter Ankläger, was angebliche Übergriffe von Migranten auf „Deutsche“ bzw. andere von Migranten begangene Straftaten betrifft. Schließlich sammelt sich in seiner Partei bzw. in der mit der NPD verbündeten „Kameradschaft Aachener Land“ ein erhebliches kriminelles Potenzial. Man denke nur an den solide vorbestraften stellvertretenden Vorsitzenden der NPD Düren, Rene Laube, oder Denis Unruh („Kameradschaft Aachener-Land“), der sich derzeit vor dem Aachener Landgericht wegen des Vorwurfes der gefährlichen Körperverletzung verantworten muss. Unruh war im vergangenen Jahr in erster Instanz bereits zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Dürener NPD-Funktionäre beteiligten sich etwa an einem Angriff auf eine antifaschistische Demonstration in Aachen. Gesinnungskumpanen der Dürener Neonazi-Szene haben mit dazu beigetragen, das jüngsten Angaben zufolge die Zahl rechtsextrem motivierter Straftaten im Jahr 2008 auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Sie beläuft sich auf mehr als 50 Delikte am Tag. Umfangreiche Waffenfunde bei Hausdurchsuchungen, die kürzlich in Niedersachsen stattfanden, belegen das Gewaltpotenzial neonazistischer Organisationen. In Aachen und Umgebung kommt es regelmäßig zu teilweise erheblichen Angriffen von Neonazis auf politische Gegner – oder die, die die Neonazis dafür halten. Erst jüngst bedrohte eine „Anti-Antifa Herzogenrath“ per Web zahlreiche Personen aus der Region, darunter auch den Pressesprecher der Antifa Düren, Martin Graubenden. Vorläufigen Berechnungen zufolge wurden letztes Jahr in Deutschland 18.332 rechtsextrem motivierte Straftaten begangen. Die Zahl wird noch steigen, weil die Angaben sich auf das Stichdatum 18. Dezember beziehen und darüber hinaus Delikte aus dem Jahr 2008 noch bis Ende Januar nachgemeldet werden können. Die Summe liegt jedoch bereits jetzt über den Vergleichsziffern von 2007 (17.176 Straftaten) und 2006 (mit 17.597 Straftaten das bisherige Rekordjahr). Zu den rechtsextrem motivierten Delikten gehören mindestens vier Morde, von denen ein außergewöhnlich brutaler (in Templin, Brandenburg) am vergangenen Montag vor Gericht verhandelt wurde. Also was soll das Geschwafel von Ingo Haller? Auch wenn sein Konsum an Kreide mit Herannahen der Kommunalwahl offensichtlich zugenommen hat, ein Wolf bleibt ein Wolf! Oder treffender ausgedrückt: Ein Neonazi bleibt ein Neonazi! Es bleibt zu hoffen, dass die Wählerinnen und Wähler dies auch erkennen. Wir werden unser möglichstes dafür tun, ihm die Maske vom Gesicht zu reißen. Am Mittwoch wurden vier Neonazis im Kreuzungsbereich Neue Jülicher Straße/Fritz Erler Straße/ Eisenbahnstraße beobachtet (Beginn des Stadtteil Düren-Nord). Ob dies schon die Umsetzung der von Haller auf der Internetseite der NPD angekündigten Provokation war, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Auf jeden Fall sollte das Vorhaben der Neonazis nicht, wie von einigen Stadtteilvertretern leider geschehen, auf die leichte Schulter genommen werden. Es ist notwendig, im Stadtteil Nord-Düren antifaschistische Strukturen auszubauen, um auf Provokationen von Neonazis adäquat zu reagieren. Auf jeden Fall sollten die Augen aufgehalten und den Versuchen, im Stadtteil durch Verbreitung von rassistischer Hetze Unfrieden zu stiften, mit Entschlossenheit entgegentreten. Antifa Düren, 29. Januar 2009 |
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