Heute hat an der RWTH Aachen das "festival contre le racisme" begonnen. Neben einer Ausstellung gehören zum Programm auch zahlreiche Veranstaltungen.
"Rassismus und Diskriminierung sind auch Themen, welche die Studierenden
etwas angehen. Rechtsextreme Übergriffe, wie der auf den jungen
Wissenschaftler Ermyas M. in Potsdam am Ostermontag 2006, sind nur die
Spitze des Eisberges. Ständig sind ausländische Studierende mit Hürden
konfrontiert, die deutschen Studierenden unbekannt sind. Eine
diskriminierende AusländerInnengesetzgebung und ein zumindest
merkwürdiger Umgang mit Flüchtlingen und MigrantInnen sind Alltag. Die
Probleme sind vielfältig, aber nicht allen Studierenden bekannt", schreiben die Veranstalter über das Anliegen des Festivals. Die Veranstaltungen stehen natürlich auch Nicht-Studierenden offen.
festival contre le racisme 2007 – Das Programm in Aachen
IG-Farben Ausstellung
Ausstellung zu den Verbrechen des Chemiekonzerns IG-Farben
Audimax von Montag bis Freitag (11.-15.06.)
Die Ausstellung zweigt in eindrucksvollen Bildern und Dokumenten die
Mitwirkung der IG Farben AG im ersten und zweiten Weltkrieg. Die ersten
19 Banner zeigen dabei, dass sich die IG Farben AG nicht nicht „nur“ um
eine Unterstützung der Kriegsmaschinerie beschränkte, sondern sich
aktiv am Massenmord an Juden und Andersartigen beteiligte. Die
Ausstellung schließt mit der Politik der IG-Farben AG (in Auflösung)
nach 1945 und der Frage nach Zwangsarbeitervergütung. Durch die
Ausstellung wird es zwei Führungen geben.
Der verbotene Schmerz – Beschneidung bei Frauen
Vortrag von Kerstin Kilanowski zu Genitalbeschneidung bei Frauen
Dienstag, 12.6. 19:00 Uhr
im Clubraum des Chico-Mendes (KHG, Pontstr.)[Achtung, neuer Raum!]
Weltweit sind 150 Millionen Mädchen und Frauen von einer Tradition
betroffen, die ihre reproduktive und sexuelle Gesundheit schädigt. Die
Mehrheit davon lebt auf dem afrikanischen Kontinent, aber auch in
Europa finden heimlich die Beschneidung kleiner Mädchen und Babies
statt, vor allem in isolierten Migrantenfamilien, die ihre Kultur
aufrecht erhalten wollen. Welche Gründe Frauen (und Männer) für die
‚Beschneidung‘ der weiblichen Genitalien anführen, hat die Kölner
Journalistin Kerstin Kilanowski recherchiert.
Fatihland
Kabarett von und mit Fatih Cevikkollu
Mittwoch, 13.06. 20:00 Uhr im Theatersaal. Eintritt: 12 Euro (ermäßigt 7 Euro)
Fatih Çevikkollu begeistert mit seinem erstem Soloprogramm „Fatihland“
die Zuschauer und Fachleute gleichermaßen. Zum besten Newcomer des
Jahres avancierte er endgültig mit dem Gewinn des Prix Pantheon 2006 –
Jurypreis –, dem renommiertesten Kleinkunstpreis für den Bereich
Kabarett und Comedy im deutschsprachigen Raum. Auf der Bühne erzählt er
mit dem Blick eines in Deutschland geborenen Türken und einer gehörigen
Prise Selbstironie über seine Kindheit in Köln, die stundenlangen
Autofahrten zu Beginn der Sommerferien in die Heimat („Gefangen im
Taunus in die Türkei“), über Bauchtanzkurse in der Volkshochschule
(„Das ist so, als ob du in der Badewanne tauchen lernst“) und über den
Deutschen in sich („Ich spürte in mir die Lust am Recht auf Empörung“).
Der globalisierte Haushalt
Vortrag zur Situation migrantischer Hausarbeiterinnen
Donnerstag, 14.06. 14 Uhr im Humboldt-Haus
Trotz
aller Zuzugsbeschränkungen in Deutschland & Europa sind
Arbeitskräfte mobil und kommen dahin, wo Bedarf herrscht. Dieser
besteht heutzutage vor allem bei Beschäftigungen im Haushalt: Wo sich
deutsche Frauen emanzipieren und eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, wird
die Hausarbeit immer öfter schlicht auf migrantische „Hilfen“
umverteilt. Dabei muss es nicht immer legal zugehen - hinter manchen
Au-Pair Stellen verbergen sich eine dauerhafte Beschäftigungen oft
hochqulifizierter Frauen. Wie verbreitet dieses Phänomen ist, was dies
für die einzelnen Frauen bedeutet und was man geschlechterpolitisch
davon halten kann, wird Helen Schwenken diskutieren. - Helen Schwenken
ist Politikwissenschaftlerin und hat zahlreiche Beiträge zu den Themen
Migration, Globalisierung und Feminismus veröffentlicht.
Abschiebung im Morgengrauen
Dokumentation zur alltäglichen Arbeit von Ausländerbehörden. Anschließend Diskussion moderiert vom Flüchtlingsplenum Aachen.
Donnerstag, 14.06. 20 Uhr im Humboldt-Haus
Abschiebung nach 15 Jahren Deutschland. Das bedeutet: Nächtliches
Klingeln, Polizei in der Wohnung, eine Tasche pro Person und eine halbe
Stunde Zeit zum Packen. Das wars. Ausländerbehörden in Hamburg. Wer
hier reingeht, um eine Duldung zu verlängern, weiß nicht, ob er wieder
frei hinausgehen kann. Hier wird entschieden über Bleiben oder Ausreise
- im schlimmsten Fall die „sofort vollziehbare“ Abschiebung. - Michael
Richters Dokumentation von 2005 wurde mit Preisen wie Civis und Grimme
Preis ausgezeichnet.
Rosen auf den Weg gestreut
Vortrag von Richard Gebhardt zu Deutschland und seinen Neonazis
Freitag, 15.06. 16:00 Uhr
im Fo8 (Karman-Auditorium) [Achtung, neuer Raum!]
Neonazis
feiern Wahlerfolge, rassistische Anschläge machen vorübergehend
Schlagzeilen, Berichte über »No-Go-Areas« und eine alltägliche rechte
Subkultur wiederholen sich. Der »Aufstand der Anständigen« hat sich als
Flop erwiesen, und der Aufschrei über den Einzug der NPD in die
Landtage von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern ist schnell verstummt.
Der Vortrag beleuchtet das allzu freundliche Umfeld, das der extremen
Rechten die Rosen auf den Weg streut. Er untersucht deren Konzepte,
nimmt ihre Praxis in Landes- und Kommunalparlamenten unter die Lupe und
diskutiert die gesellschaftlichen Verhältnisse, vor deren Hintergrund
Neofaschisten erstarken. - Richard Gebhardt ist Politikwissenschaftler
und freier Journalist.
Austellung: Road closed - die rechtliche Lage ausländischer Studierender in der BRD
Ausländische
Studierende sind in der BRD immer noch Restriktionen und finanziellen
Benachteiligungen ausgesetzt. Die Hochschulgesetzgebung erwartet
lediglich aufgrund von Staatsanghörigkeit unterschiedliche Gebühren,
das Aufenthaltsrecht fordert Sicherheiten. Im Zweifel droht die
Abschiebung. Die Ausstellung Road Closed des fzs anlässlich des festivals stellt die erschreckende rechtliche Lage unserer KommilitonInnen dar.
[Kooperationspartner]
Aachener Friedenslauf - Laufen fairbindet
6. Aachener Friedenslauf „Gemeinsam gegen Rassismus“
Freitag, 15.6. - Mehr Infos:
www.run4peace.eu
Abschlusskonzert
Live Musik im Humboldt-Haus
Freitag, 15.06. Ab 20 Uhr
Weitere Veranstalter/innen: Fachschaft 1/1, 1/2, 7/1, 7/2, AusländerInnenVertretung, Frauenprojekt