| Anti-G8-Demonstration in Düren |
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| Donnerstag, 24. Mai 2007 | |
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„Klein, aber fein“ - so lautete
das Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Demonstration gegen den
bevorstehenden G8-Gipfel am vergangenen
Montag. Rund 40 Kritiker der kapitalistischen Globalisierung waren begleitet
von einem massiven Polizeiaufgebot durch die Dürener Innenstadt gezogen
Organisiert hatte die Demonstration das Anti-G8-Bündis Köln, mit Unterstützung der Antifa Düren. Düren war als Ort der Demo nicht zufällig gewählt worden: Wenige Kilometer entfernt, im ländlichen Vettweiß-Disternich, hat die „Grand Hotel Heilligendamm GmbH & Co. KG“ ihren Sitz. In deren Luxushotel wird sich Anfang Juni abgeschottet von der Öffentlichkeit die selbsternannte Elite der Welt versammeln. Ebenso unterhält die Fundus-Gruppe, die Fondsanteile am Kempinski Heilligendamm vertreibt, ihr nordrhein-westfälisches Servicebüro in Düren.
Demonstration durch die Dürener Innenstadt. Schon mittags glich die Stadt einem Heerlager: In der Kantine des Dürener Kreishauses sammelten sich die Polizeibeamten der Kölner Einsatzhundertschaft, der Kreispolizeibehörde und des Aachener Staatsschutzes zum Futtern. An die 40 Polizeifahrzeuge in allen erdenklichen Ausführungen parkten vor der Kreisverwaltung. Ingesamt dürften daher mindestens drei Beamte für einen Demonstranten im Einsatz gewesen sein – man kann eigentlich nur den Kopf schütteln. Wäre da nicht die allgemeine Hysterie gegen die Protestbewegung und der Versuch, zumindest Teile dieser als „Terroristen“ hinzustellen. Insofern diente das überzogene Polizeiaufgebot in Düren wohl auch dazu, den Protest zu delegitimieren und Globalisierungskritiker als „gefährlich“ darzustellen. Am späten Nachmittag zog die Demonstration mit Sprechchören wie „Für die Macht der Reichen gehen sie über Leichen“, „Brecht die Macht der Banken und Konzerne“, „BKA sieh dich vor, die Razzia war ein Eigentor“ vom Bahnhof los. Dort hatte eine Vertreterin des Anti-G8-Bündnisses Köln scharfe Kritik an der Politik der G8 formuliert und begründet, warum diese die Lebensgrundlagen der Menschheit gefährdet. Während der rund zweistündigen Demonstration durch die Innenstadt fanden mehrere Kundgebungen mit Redebeiträgen statt. In der Dürener Fußgängerzone berichtete ein Vertreter des „Projekts Neue Linke“ aus Aachen über die erfolgreichen Proteste gegen die Verleihung des Karlspreises an Javier Solana und erläuterte, was von einer „Kapitalismuskritik“ von Rechts, die Neonazis für sich in Anspruch nehmen, zu halten ist.
Kundgebung in der Fußgängerzone. Eine Vertreterin des Anti-G8-Bündnisses Köln thematisierte die Versuche, wie die globalisierungskritische Bewegung u.a. durch die bundesweite Razzia gegen G8-Gegner Anfang Mai kriminalisiert werden soll: „Die Aktiven sollen eingeschüchtert und die Demonstranten in „gut" und „böse", der Widerstand gegen den grenzenlosen und weltweiten Machtanspruch der acht führenden (!) Industrieländer gespalten werden.“ Die Rednerin betonte, dass man sich von solchen Maßnahmen nicht einschüchtern lasse: „Wir sind der Sand im Getriebe einer gut geölten PR-Maschinerie, die mit aller Macht das Bild der guten Weltenlenker am Tisch von Angela Merkel in den Köpfen der Menschen dieser Welt verankern will. Wir stören die Harmonie der Gruppenfotos vor Luxushotel und weißem Strand, den beständigen Wechsel von Handshake und Milchshake, das rhythmische Klappern der leeren Worthülsen auf mecklenburgischem Boden. Wir passen einfach nicht ins heile Bild. Und das ist auch gut so!“ Vor der Niederlassung der Fundus-Gruppe erläuterte ein Vertreter des Anti-G8-Bündnisses Köln die weitgehend unaufgearbeitete Geschichte des Kempinski-Konzerns. Während des Faschismus wurde das Unternehmen „arisiert“, die jüdischen Unternehmer deportiert und ermordet – ebenso wie jüdische Zwangsarbeiterinnen, die im Winter 1942 / 1943 in die Vernichtungslager deportiert wurden. Der Redner las zudem aus einem offen Brief von Fritz Teppich, ehemaliger Interbrigadist und einziger Überlebender der Kempinski-Familie, an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Anti-8-Demonstrationen bei Heilligendamm: „In der BRD wurde ungeachtet dessen nie ein Verfahren gegen die Schwerstbeschuldigten [Profiteure der „Arisierung“ sowie Mörder der Kempinski-Familie] eingeleitet. Euch, die jetzt nahe der Ostsee versammelt seid, euch jungen, unbelasteten Deutschen, wünsche ich viel Erfolg, endlich für Gerechtigkeit in dieser Rassensache zu sorgen.“
Vor der Niederlassung der Fundus-Gruppe in Düren. Auf dem Rückweg hielten die Demonstranten eine Kundgebung gegen die Neonazi-Kneipe „Gütershop“ auf der Arnoldsweilerstraße ab. NPD und sogenannte „freie Kameradschaften“ sind derzeit sehr aktiv im Dürener Raum. Die NPD versucht mit einer vorgeblichen „Globalisierungskritik“ zu punkten, auch die Dürener NPD möchte zu einer Demonstration der Neonazis im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel am 2. Juni in Schwerin fahren. Ein Redner der Antifa Düren beschrieb kurz die Aktivitäten der Neonazis in der Dürener Region und betonte, dass diese kein legitimiert Teil der globalisierungskritischen Bewegung sind, sondern völlig gegensätzliche Ziele verfolgen. Es sei weiterhin inakzeptabel, dass mit dem „Gütershop“ in Düren ein fester Treffpunkt der Neonazi-Szene existiere.
In der Kneipe "Gütershop" hatten sich etwa ein dutzend Neonazis zusammengerottet. Ein weiterer Redner der Antifa Düren griff noch einmal das Thema soziale Demagogie der Neonazis auf und sagte u.a.:„Wie damals missbrauchen die Nazis heute Arbeitslosigkeit, die Ängste der Menschen vor Armut und Zukunft für ihre Zwecke. Sie schüren Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus. Sie bieten als „Alternative" zum Kapitalismus die ‚deutsche Volksgemeinschaft’, den ‚nationalen Sozialismus’, also den Nationalsozialismus an. Wir kennen das Ende: Barbarei, Krieg und Zig-Millionen Toten. Wir weisen die soziale Demagogie der Nazis zurück. Kampf für soziale Rechte und gegen Hartz IV, gegen die Rente mit 67 und andere neoliberale Grausamkeiten, das ist unser Beitrag gegen Rechts!“ Anschließend zog die Demonstration zurück in die Fußgängerzone, nicht jedoch ohne vorher den Neonazis massiven antifaschistischen Widerstand gegen ihren Aufmarsch am 2. Juni in Schwerin zu wünschen. Nach einer kurzen Abschlusskundgebung auf dem Wirteltorplatz endete die Demonstration. |





