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Offener Brief an BM Larue - Teil II Drucken
Freitag, 24. August 2007
Paul Schäfer, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei, hat sich in Sachen "Tag der Heimat" des BdV in einem offenen Brief an Bürgermeister Paul Larue (CDU) gewandt, den wir an dieser Stelle dokumentieren:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,        

mit großem Erstaunen habe ich vernommen, dass Sie in diesem Jahr wieder das Rathausfoyer dem Bund der Vertriebenen für den jährlichen „Tag der Heimat“ zur Verfügung stellen wollen. Wie dem Einladungsschreiben zu dieser Veranstaltung zu entnehmen ist, haben Sie auch zusammen mit dem Kreisvorsitzenden des BdV die Verantwortung für diese Veranstaltung übernommen.        

In der Vergangenheit hat der „Tag der Heimat“ des BdV in Düren für erheblichen Unmut in der Bevölkerung gesorgt. Die eingeladenen Hauptredner der vergangenen Veranstaltungen waren zum Teil Menschen, die wegen Volksverhetzung rechtskräftig verurteilt wurden sind (Paul Latussek) oder rechtsextremen Organisationen angehörten (Rüdiger Goldmann). Es ist bekannt und hat immer wieder öffentliche Kritik hervorgerufen, dass in diesem Bundesverband eine Auseinandersetzung oder Distanzierung von Mitgliedern die rechtsextremistisches oder geschichtsrevisionistisches  Gedankengut vertreten, leider nicht stattfindet.        

Dass Menschen, die ihre Heimat verloren haben, ihre althergebrachte Kultur pflegen und Erinnerungen an ihre Heimat austauschen wollen, steht für mich außer Frage. Dass sie der Vertreibung gedenken wollen, die für die betroffenen Menschen immer eine persönliche Tragödie darstellt, verstehe ich. Aber eine Grenze wird da überschritten, wenn auf solchen Veranstaltungen eine Revision der Nachkriegsgeschichte gefordert und damit Raum für rechtsextremistische Propaganda geboten wird.           

In der Vergangenheit ist auf Veranstaltungen des BdV die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Publikation „Der Schlesier“ verteilt worden. Können Sie sicherstellen, dass dies dieses Mal unterbleibt?            Aufgefallen ist auch ein Button, auf dem in schwarz-rot-goldener Schattierung Deutschland in den Grenzen von 1937 gezeigt wird. Dieser Button soll in der Vergangenheit auf dem Dürener „Tag der Heimat“ verteilt worden sein. Haben Sie sich darüber informiert, ob in diesem Jahr Vergleichbares geschehen wird? Wie wollen Sie verhindern, dass solches Gedankengut, mit dem ja letztendlich Gebietsanspruche an unsere Europäischen Nachbarn gestellt werden, dort zur Schau gestellt wird?          

Ich glaube, dass sich die „Euregio-Stadt“ Düren dies nicht leisten kann.       
Überaus problematisch scheint mir auch der sogenannte „Ostdeutsche Markt“ zu sein, denn nach Augenzeugenberichten ist hier wohl ein „Schlesischer Markt“ gemeint. Auch hier stellt sich die Frage, wo die Grenze zwischen Brauchtumspflege und einer Revanchepolitik liegt.        

Millionen Menschen haben während des 2. Weltkriegs ihr Leben verloren, weitere Millionen Menschen verloren ihre Heimat. Über 60 Jahre nach der Katastrophe haben viele Menschen neue Wurzeln geschlagen. Sie haben eine neue Heimat gefunden, in der sie mittlerweile seit Generationen leben und das Gemeinwesen bereichern. Sie stellen keine Gebietsansprüche an unsere Nachbarn und haben die richtigen Lehren aus der leidvollen Geschichte gezogen. Das Rad der Geschichte darf nicht zurückgedreht werden.       

Ich möchte Sie, Herr Larue, dringend bitten, das Nötige zu tun, damit auf dem „Tag der Heimat“ rechtsextremistischer Propaganda keine Plattform geboten wird. Sie sollten gerade als einer der Sprecher des Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt hier Flagge zeigen.    

Mit freundlichen Grüßen


Siehe zum Thema BdV auch die Presseerklärung der Antifa Düren vom 16. August 2007.