| Dokumentiert: Redebeitrag der Antifa Düren |
| Samstag, 22. September 2007 | |
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Wir dokumentieren an dieser Stelle einen Redebeitrag, gehalten von einer Vertreterin der Antifa Düren während der
Auftaktkundgebung der antifaschistischen Demonstration gegen den
NPD-Aufmarsch am 22. September 2007 in Düren:
Wir haben uns heute hier zusammen gefunden, um gegen den Neonazi-Aufmarsch von NPD und KAL zu protestieren. Erstmals seit Ende des zweiten Weltkrieges wollen Nazis unter dem perfiden Motto „Gegen Innländerfeindlichkeit“ wieder durch Düren marschieren. Für die extreme Rechte hat der Aufmarsch gleich mehrfache Bedeutung: So stellt er für die NPD den im Rahmen der von ihr propagierten “Drei-Säulen-Strategie” den symbolischen Kampf um die Straße dar und bietet zudem eine Möglichkeit, sich medial zu inszenieren. Neben diesem gehören noch der “Kampf um die Köpfe” und der “Kampf um die Parlamente” zum Drei-Säulen-Konzept der NPD. Erklärtes Ziel der Partei ist, bei der Kommunalwahl 2009 auch im Kreis Düren die kommunalen Parlamente einzuziehen. In der Region Aachen sitzen Neofaschisten bereits in den Stadträten von Stolberg, Alsdorf, Erkelenz und den Kreistagen von Aachen und Heinsberg. Der Aufmarsch in Düren erzeugt eine “braune Erlebniswelt”, die vor allem dazu dient, jüngere AnhängerInnen von NPD und “Kameradschaften” enger an eine Szene zu binden, die seit 1990 in der BRD für mehr als 130 Todesopfer verantwortlich ist. Seit 2004 steigt die Zahl rechter Straftaten sprunghaft an. Allein im Juni dieses Jahres – so teilte die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linkspartei-Abgeordneten Petra Pau mit – verübten Rechte 871 Straftaten, darunter 68 Gewalttaten. Also im Schnitt mehr als zweimal pro Tag kommt es in Deutschland zu Übergriffen auf Migranten, Homosexuelle, Juden, Linke oder andere Menschen, die für die Rechten ein Feindbild darstellen. Die erschütternden Zahlen belegen: Jede Duldung von Neonazis ist lebensgefährlich. Die Naziszene in der Region Düren ist seit etwa einem Jahr eine der aktivsten extrem rechten Zusammenhänge in NRW. Zahlreiche NPD-Infostände in verschiedenen Städten und Gemeinden fanden in der Region statt. NPD und KAL versuchen sich als harmlos und ungefährlich darzustellen. Tatsächlich stehen die Neonazis auch in Düren vor allem für Gewalt. Hierfür drei Beispiele: Im April wurden Antifaschisten, die in ca. 50m Entfernung von der Nazi-Kneipe Gütershop, eines Treffpunktes der regionalen Neonazi-Szene in Düren, entfernt geparkt hatten, in einer gezielten Aktion von einer fünf bis sechsköpfigen Gruppe Neonazis attackiert, die mit weiteren Neofaschisten aus dem „Gütershop“ kamen. Unter den Angreifern befand sich der stellvertretende Kreisvorsitzende der NPD Düren und Anführer der „Kameradschaft Aachener-Land, Rene Laube, und ein weiterer Dürener, der im Verdacht steht, Fotos für die „Anti-Antifa Aachen-Düren“ anzufertigen. Diese Gruppe bedroht seit Monaten via Internet Gegner der Neonazis, darunter auch einen der Angegriffenen. In der Nacht vom 18 zum 19. August pöbelten Neonazis aus dem Umfeld der NPD und KAL, die auf dem Weg zu einer zentralen Hess-Neonazi-Demonstration in Jena waren, eine Gruppe von alternativ aussehenden jungen Menschen an und griffen sie dann mit leeren Bier-Flaschen an. Nur durch eine Flucht kam es zu keinen größeren Verletzungen. Mehr als 300 Jugendliche feierten in der Nacht vom 1. bis zum 2. September bei der siebten Auflage von "Fight Fascism" in Stolberg. Nach Ende des Konzerts überfielen vermummte und bewaffnete Neonazis Konzertbesucher, die vor dem Jugendheim darauf warteten, abgeholt zu werden. Es gab mindestens vier Verletzte, eine junge Frau wurde beim Angriff mit Baseballschlägern im Gesicht so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden musste. Damit haben die Aktivitäten der Neonazis in Düren eine neue ‚Qualität’ erreicht. Sie belassen es nicht mehr allein bei verbalen Drohungen, sondern gehen zu gezielten Angriffen auf ihre Gegner über. Die politische Verantwortung für den Vorfall trägt - ebenso wie für die andauernden Drohungen gegen Antifaschisten - der NPD-Kreisvorsitzende Ingo Haller. Das von ihm gerne bemühte Bild der NPD als biedere Alternative ist damit endgültig zusammengebrochen. Die Kneipe “Gütershop” am Rande der Dürener Innenstadt hat sich zu einem festen Treffpunkt (nicht nur) der regionalen Neonazi-Szene entwickelt. In der Gaststätte finden so genannte “Stammtische”, “Liederabende” und andere Veranstaltungen der NPD statt. Zu diesen versammelten sich teilweise über 100 Neonazis, die nicht nur aus der Region Aachen / Düren stammten, sondern teils aus ganz NRW und sogar dem benachbarten Ausland nach Düren anreisten. Es zeigt sich also, dass die Neonazis kein legitimer Teil des demokratischen Meinungsstreites sind und diese Kräfte nicht allein mit den Mittel des demokratischen Diskurses zu bekämpfen sind. Deshalb sprechen wir den Neonazis jegliche demokratische Legitimität ab. Wir fordern die Umsetzung des im Grundgesetz verankerten Verbots neonazistischer Betätigung. Die NPD und die so genannten „Kameradschaften“ müssen endlich aufgelöst werden. Geboten ist Unduldsamkeit gegen Rechts. Wir akzeptieren die Präsenz von neofaschistischen Kräften nicht als Normalität. Wenn Neonazis auftreten, sehen wir es als Selbstverständlichkeit an, Widerstand und zivilen Ungehorsam zu leisten. Der Kampf gegen Rechts darf sich nicht auf die NPD beschränken. Es müssen auch rechte Politikentwürfe aus der Mitte der Gesellschaft kritisiert werden. Gleichwohl ist eine Diskussion über Alternativen zur Politik des Sozialabbaus, der Einschränkung demokratischer Rechte und der Militarisierung der Außen- und Innenpolitik notwendig. Deswegen wollen wir alle Formen der Herrschaft und der Unterdrückung bekämpfen und jetzt und hier für die Perspektive einer befreiten Gesellschaft eintreten. Wir begrüßen von dieser Stelle aus die Bemühungen des Bündnisses gegen Rechts, bedauern es aber gleichzeitig, dass sie sich unserer Form des Protestes nicht angeschlossen haben. Die Diffamierungsversuche aus dieser Ecke weisen wir mit Entschiedenheit zurück. Wir sind überzeugt, dass ein Ignorieren des Aufmarsches oder kilometerweit entfernte Gegenveranstaltungen der Wirkung des NPD-Aufmarsches allein nichts entgegensetzen. Mit dieser Demonstration wollen wir besonders junge Menschen aus dem Raum Düren ermuntern sich aktiv in der antifaschistischen Bewegung zu engagieren. Keinen Fußbreit den alten und neuen Nazis! Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Antifaschistische Strukturen stärken - Neonazis zurückdrängen! |
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